Künstler gegen Rechts: John Heartfield

Der Berliner John Heartfield (1891 – 1968, bürgerlich Helmut Herzfeld) war nicht nur ein Kritiker des nazifizierten Deutschlands, sondern auch ein Vorreiter der deutschen Fotomontage. Zwischen den beiden Weltkriegen arbeitete er künstlerisch zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland und entwickelte eine besondere Methode der Fotomontage, die ihm erlaubte, Fotografien wiederzuverwenden und mit einer eindeutigen politischen Wirkung zu versehen: John bediente sich der aktuellen Tagespresse, schnitt wiedererkennbare Bilder von Politikern heraus und arrangierte sie in seinen Collagen neu, um dem Abgebildeten eine radikale, neue Bedeutung zu geben. Diese Werke ermöglichten ihm eine wirkungsvolle Massenkommunikation. Visuell warnte er vor der Aufrüstung und der Bedrohlichkeit des Krieges und seinen Profiteuren.

Fotomontage gegen Rechts

Auch vor Hitler machte er nicht Halt: Der Künstler nahm ein populäres Foto des Reichskanzlers und überlagerte es mit dem Röntgen-Bild eines Brustkorbes, versehen mit dem Bildtitel: Adolf, der Übermensch: Schluckt Gold und redet Blech. Dieses Bild sollte auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen der finanziellen Lage Hitlers, seiner Partei und seiner Arbeiterrhetorik verweisen. Viele weitere Fotomontagen wie diese wurden in der Arbeiter-Illustrierte-Zeitung publiziert und hatten eine so präsente politische Wirkung, dass sie von den Linken und Nazi-Gegnern reproduziert wurden. Und auch heute noch greifen wir auf Plakate und Poster zurück, um unseren Stil, aber auch unsere Gedanken auszudrücken. Poster waren und sind eine der besten Möglichkeiten unsere Vorliebe und Meinung bildlich kundzutun.

In den Bildern von Heartfield wurde aber nur ein Bild mit einem passenden Titel versehen; der Titel versah das Bild vielmehr mit einer ironischen bis kritischen Bedeutung und spielte mit den Erwartungen und dem Vorwissen des Rezipienten. Seine Werke hatten eine ähnliche Wirkung und Wiedererkennbarkeit, wie die durch das Internet verbreiteten Memes unserer Zeit.

Ein Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg, also 1938, zog John Heartfield nach Großbritannien. Nach dreizehnjähriger Tätigkeit für unterschiedliche britische Publikationen zog er wieder zurück in seine Geburtsstadt Berlin. Seine Fotomontagen blieben auch noch nach seinem Tod bekannt und inspirierten zahlreiche Künstler und Werbegrafiker.