Kulturschaffende gegen Rechts

Künstler, besonders Schriftsteller, Schauspieler und prominente Musiker sind sowohl in historischer Zeit wie auch in der Gegenwart besonders vom Rechtsextremismus betroffen. Das Beispiel des aggressiv voranschreitenden Nationalsozialismus in der Weimarer Republik zeigt in drastischer Weise, wie Kulturschaffende entweder instrumentalisiert oder wegen ihrer Gegnerschaft von Rechtsextremisten verfolgt werden. Sie haben eine Schlüsselrolle, die sich durch Film und Fernsehen, Literatur, Theater, Musik und im digitalen Zeitalter auch durch Medien wie Hörbücher und Podcasts ausüben lässt. Kreativität und der Vorbildcharakter von prominenten Künstlern haben eine enorme Wirkung. Damals wie heute erfordert ein öffentliches Eintreten gegen Rechts großen Mut.

Historische Beispiele

Kaum ein anderer Schriftsteller hat die Gefahr durch Rechts noch zu Zeiten der Weimarer Republik so präzise wahrgenommen und beschrieben wie Lion Feuchtwanger in seinem Roman Erfolg. Unerschrocken trat auch der berühmte Kurt Tucholsky mit Gedichten den Nazis entgegen oder Carl von Ossietzky, Herausgeber der Weltbühne. Sie mussten Verfolgung fürchten und konnten oft nur durch die Flucht ins Ausland dem rechten Terror entgehen. Ein trauriger Höhepunkt der Verfolgung von Kulturschaffenden ist die Bücherverbrennung durch die Nazis nach deren Machtergreifung. Initiativen, wo es heute Hörbücher kostenlos mit den Werken der verfolgten Schriftsteller gibt, erinnern an den Widerstand von Kulturschaffenden. Es gab nicht wenige Künstler, bei denen nicht nur ihr Schaffen als „entartet“ gebrandmarkt wurde. Manch einer starb im Konzentrationslager.

Heutige Initiativen

Heute engagieren sich Künstler in unterschiedlicher Weise. Wieder gebührt dem öffentlichen Eintreten großer Respekt. Jüngst zeigte die Welle des Hasses im Internet gegen die renommierte Schauspielerin Simone Thomalla, die im Rahmen von „Gesicht Zeigen!“ aktiv wurde, wie brisant die Lage bereits wieder ist. Kulturschaffende brauchen den Schutz des Staates und der Öffentlichkeit.

„Gesicht Zeigen!“ ist eine aktuelle Initiative, die sich in Form eines Vereins für Respekt und gegen rechte Gewalt, Rassismus und Antisemitismus einsetzt. Die Initiative hat sich die Stärkung der Zivilgesellschaft gegen die Feinde von Demokratie und Verfassung zum Ziel gesetzt. Ihre Arbeit steht modellhaft für die Möglichkeiten, aktiv gegen Rechtsextremismus im Netz vorzugehen. Ein Weg dieses Projektes liegt darin, Prominente aufzufordern, im Web und und in anderen Foren öffentlich Gesicht gegen Rechts zu zeigen. Inzwischen sind zahlreiche Kulturschaffende dem Aufruf gefolgt. Neben Simone Thomalla finden sich unter den Unterstützern auch Anja Kling oder der Journalist Ulrich Wickert. Sie sind auf der Webseite mit ihrem individuellen Statement abgebildet. Auf diese Weise arbeiten sie im besten Sinne als Influencer, da gerade viele Fans durch ihre Idole zum Nachdenken gebracht werden können. Mutig ist zum Beispiel seit längerem auch Til Schweiger an die Öffentlichkeit getreten.

Neben dem Auftritt der Kulturschaffenden als Botschafter gehört ein Literaturpodcast, 5punkt3, zum Programm. Der Name bezieht sich auf den Artikel 5.3. des Grundgesetzes. Dieser betont die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, aber auch ihre Verpflichtung gegenüber der Verfassung. Der Literaturpodcast wurde in Zusammenarbeit mit Selma Wels, Mitgründerin des binooki Verlages, gestartet. Neben der Arbeit im Netz gehören Demonstrationen und Bildungsarbeit mit Schülern zum Programm des Vereins „Gesicht Zeigen!“.

Diese Initiative steht in der Tradition von kulturellen Projekten gegen Rechts. Ein bekanntes Beispiel ist die Hamburger Aktion „Laut gegen Nazis!“, die ihre Arbeit im Jahre 2004 aufnahm und bereits Hörbücher einsetzte.